Regionalkonferenz für Osthessen in Hanau

In Hanaus gute Stube, in den weißen Saal des Schlosses Philippsruhe hatte die Senioren-Union am 10. November 2010 zur Regionalkonferenz für Osthessen eingeladen.

Nach einer kompetenten Schlossführung konnte der stellvertretende Landesvorsitzende Dr. Gerhard Schier, die außerordentlich zahlreich erschienen Senioren der Kreisvereinigungen Vogelsberg, Hersfeld-Rothenburg, Fulda und Main-Kinzig begrüßen. Sein Gruß galt den Ehrengästen, besonders dem Vorsitzenden der hessischen Senioren-Union und Landtagsabgeordneten Alfons Gerling und der Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Landtagsabgeordneten Martina Leistenschneider. Alfons Gerling MdL ging in seinem Grußort darauf ein, daß sich in Deutschland - und nicht nur hier - die Politik künftig vorrangig mit dem Problem der alternden Gesellschaft auseinandersetzen muß. Damit bekommen die Neuordnung unseres Renten- und Versorgungssystems sowie einem an die heutigen Erkenntnisse und Bedürfnisse angepassten Gesundheitssystems größte Bedeutung. "Unser Gesundheitswesen wird seinem Namen nicht gerecht. Es wird nur darüber gesprochen wo man sparen könnte, oder wie man mehr Geld in die Kasse bekommt ? meist zu Lasten der Versicherten und der Arbeitgeber". Die Senioren-Union habe es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit der Jugendorganisation der Partei die brennenden Fragen der Gesundheits- und Rentenpolitik bewußt zu machen und auch Vorschläge hierzu einzubringen, so Gerling. Viele ältere Menschen sagen, "daß trifft uns ohnehin nicht mehr". Das ist ein Trugschluß, wie wir im In- und Ausland sehen können. Es betrifft aber auch unsere Kinder und Enkel - und das kann keinem gleichgültig sein. Für heute habe man sich vorgenommen die Problematik aufzuzeigen und die nächsten Schritte unseres weiteren Vorgehens zu diskutieren.

Als Referenten stellte Dr. Schier zu den einzelnen Themenblöcken drei profunde Kenner der Materie und bekannte Persönlichkeiten aus dem Sozialgerichtswesen, der Politik und der Medizin vor, die aus ihren Erfahrungen berichten konnten. Dabei handelte es sich um Gerhard Dalichau, Vizepräsident des Hessischen Landessozialgerichts a.D. und langjähriger Vorsitzender des Senates für Vertragsarztrecht. Er ging in 12 Thesen auf die gründsätzliche Problematik unseres Gesundheitssystems ein. Seiner Auffassung nach ist die Finanzierung des Gesundheitswesens heute nur noch über zusätzliche Steuermittel möglich, was aus rechtlicher Sicht äußerst bedenklich ist und nicht befürwortet werden kann. Man solle sich beispielsweise Gedanken über eine einheitliche Versicherung machen. Er fordere auch, daß mehr Eigenverantwortung der Patienten geweckt und gestärkt werde und die hohen Risiken bei extremen Sportarten auf den Prüfstand kommen sollten und durch Sonderbeiträge gedeckt werden müssen.

Leonhard Kuckart, Landesvorsitzender der Senioren-Union NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender sprach über "Krankheit vermeiden - nicht kurieren". Er ging ausführlich auf notwendige, zusätzliche Maßnahmen zur Gesunderhaltung ein. Auch er forderte mehr Verantwortungsgefühl der Versicherten und Vermeidung von unnötigen Arztbesuchen.

Professor Dr. med. Hannes Wacha, Chefarzt für Chirurgie, Konsiliararzt Degussa-Evonik, Mannschaftsarzt der Rugby-Mannschaft referierte zu "Steht der Patient noch im Mittelpunkt?" Er spannte den Bogen von der Ausbildung der Mediziner zum Arzt unseres Vertrauens und ging auf die Ausgaben im Gesundheitswesen für das Jahr 2009 ein, die nach einer Pressemitteilung vom Oktober dieses Jahres auf 167,1 Milliarden geschätzt und 174,2 Milliarden für 2010 erwartet werden. Dem steht die Frage gegenüber: Was macht das Gesundheitswesen so teuer? Die Leistungsausgaben im Jahre 2009 beträfen für ärztliche Behandlung 17 Prozent, Zahnärzte 7 Prozent, Arzneimittel 19 Prozent, Heil- und Hilfsmittel 6 Prozent, Krankenhaus 34 Prozent und Sonstige 17 Prozent. Demnach ist das Krankenhaus der größte Ausgabensektor im Gesundheitswesen. Dennoch die Zahl der Krankenhäuser nahm ab. Öffentliche und private Krankenhäuser sind in Gefahr und damit die Versorgungsqualität.

Es folgte eine rege Podiumsdiskussion der drei Referenten unter Beteiligung der Zuhörer. Dr. Schier sagte abschließend, daß er die angesprochenen Probleme dem Bundesvorstand zur Kenntnis und zur weiteren Bearbeitung empfehlen werde.

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