Gießen (abt). »Der ländliche Raum braucht Zukunft«: Unter diesem Thema hatte die Senioren-Union Hessen zu ihrer Regionalkonferenz ins Bürgerhaus Wieseck eingeladen. Einen Vormittag lang wurde über die zukünftige Entwicklung des ländlichen Raums in Hessen gesprochen und diskutiert.

Der Vorsitzende der Senioren-Union Hessen, Norbert Kartmann, verwies darauf, dass heutzutage ein Großteil der Menschen in Deutschland nicht in Großstädten, sondern in den Mittelstädten und ländlichen Gebieten lebe, wo die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland liege. Gerade deshalb, merkte Mark Weinmeister, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium an, müsse die demografische Verteilung

von Arztpraxen und Lebensmittelgeschäften verbessert werden. Aufgabe der Politik sei es, dafür neues Personal zu finden. Weinmeister selbst ist auf dem Land aufgewachsen und bekam für seine Überzeugung, dass ein Leben auf dem Land, »das Schönste ist, was man haben kann« viel Zustimmung seitens der Zuhörerschaft. Einen richtungsweisenden Vortrag zum Thema »Auf dem Land daheim« hielt Pfarrer i. R. Dr. Ulf Häbel aus Freienseen. Der pensionierte Geistliche bewies in seiner Analyse über die Zukunft des »Leben- und Älterwerdens auf dem Land« großen Sachverstand, und hohe Menschenkenntnis und -nähe. An einem Schaubild verdeutlichte Häbel, dass unterschiedlichste Interessensgruppen eine Dorfgemeinschaft bilden. Er machte Vorschläge, wie diese Gruppen miteinander in Kontakt« gebracht werden können. Dazu müsse »die Vielfalt der Menschen« akzeptiert werden, was einer »alteingesessenen« Dorfgemeinschaft nicht immer leicht fiele.

Unter dem Motto »Jeder kann etwas, man muss ihn nur danach fragen« möchte Häbel wieder für mehr Bürgerinitiative und Zugehörigkeitsgefühl in den Dörfern sorgen. »Hier existierten andere Werte als in der Stadt«, sagte der Pfarrer. Dies sei auch gut so. Trotzdem müsse es für die Städter wieder attraktiv werden, aufs Land zu ziehen. Mit seinem Konzept möchte Häbel nicht nur Junge werben, sondern auch die Versorgung der Alten sicherstellen – denn »Alt« bedeutet bei ihm »Am Leben teilhaben«, und das bis zum Schluss. Um dieses Ziel zu erreichen, gründete er das Projekt »Leben und sterben, wo ich daheim bin«. Neben dem Projekt gibt es in seiner Gemeinde Freiwilligendienste, die Fahrgemeinschaften zu Arztpraxen anbieten. Zudem berichtete er von dem Vorhaben, ein »Haus der Begegnung« für Aufsichtsbedürftige einzurichten, die dort täglich gemeinsam eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können. Häbel hob in seinem Vortrag nicht nur mahnend den Zeigefinger. Er zeigte auch, wie leicht es ist, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit Eigeninitiative tatsächlich etwas zu bewegen.

Quelle:
Gießener Allgemeine, 18. März 2013, Seite 5 | 364 PDF | KB | Download
Gießener Anzeiger, 18. März 2013, Seite 21 | PDF | 108 KB | Download
 

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