RAINROD (ws). Eine herzliche Begegnung im Gasthaus Graulich im Schwalmtaler Ortsteil Rainrod: Volker Bouffier traf beim Adventskaffee der Senioren-Union des Vogelsbergkreises viele alte Bekannte. Der frühere Ministerpräsident kennt sich aus im Vogelsberg: „Ich grüße Sie als Nachbar in alter Verbundenheit“, rief er den Parteifreunden zu, die in großer Zahl gekommen waren. Der erste Weg führte zu den Polizeibeamten, die einen wachsamen Blick auf das Tagungslokal richteten: auch hier bekannte Gesichter für den prominenten Gast aus Gießen, dessen Terminkalender noch immer dicht gefüllt ist.
Mit dem Vogelsbergkreis verbindet Volker Bouffier viel, nicht nur weil er die Initialen VB ein Leben lang im Namen trägt. 1982, als die CDU im Landkreis keinen eigenen Abgeordneten in Wiesbaden stellte, hatte der junge Landtagsabgeordnete den Vogelsbergkreis mitzubetreuen. Er erinnert sich dabei an die Begleitung einer Journalistengruppe aus Berlin, die sich damals, wie auf einer Abenteuer-Expedition gefühlt hätte. Heute sei es umgekehrt, Michael Ruhl müsse als direkt gewählter Abgeordneter des Vogelsbergkreises noch zwei Wahlkreise Gießens betreuen. Und bei der nächsten Landtagswahl gehörten mit Laubach und Rabenau bereits zwei Gemeinden aus dem Gießener Landkreis zum Vogelsberg-Wahlkreis. „Wenn das so weitergeht, dann heißt es bald Gießen beim Vogelsbergkreis“, scherzte der frühere Ministerpräsident.
Bouffier, der am 18. Dezember 71 Jahre alt wird, ist mittlerweile auch Mitglied der Senioren-Union. Als Landesvorsitzender habe er nicht eine der Parteivereinigungen vorziehen wollen. Nach der Übergabe des Parteivorsitzes habe ihn Kurt Wiegel, der Landesvorsitzende der CDU-Veteranen, dann „so lange drangsaliert“, bis er die Beitrittserklärung unterschrieben habe. „Kurt, mit Dir war es aber auch nicht immer so einfach“, verriet der ehemalige Landtagsabgeordnete Wiegel auch ein früheres Bekenntnis des Ministerpräsidenten a.D., dass die Hartnäckigkeit des Rimlosers dokumentiert.
Hauptthemen beim Adventskaffee waren der russische Überfall auf die Ukraine mit all ihren Folgen für das Leben in Deutschland. Volker Bouffier war viele Jahre eines von 18 deutschen Mitgliedern der parlamentarischen Versammlung der Nato. Die Meinung des früheren Ministerpräsidenten ist in der Außen- und Sicherheitspolitik nach wie vor gefragt. Die Welt werde nach dem Krieg in der Ukraine nie mehr so sein, wie sie einmal gewesen sei. Doch die Adventszeit stehe für Licht. „Und wo Licht ist, ist auch Hoffnung“, setzte Volker Bouffier auf Zuversicht, während der frühere Landrat Rudolf Marx beim Hinweis auf das Licht zunächst an den Schatten dachte.
Licht und Schatten bestimmten auch das Leben im ländlichen Raum, waren sich die Redner der Veranstaltung einig. „Unser Einsatz für den ländlichen Raum muss sicherstellen, dass die Menschen, die hier gern leben, auch eine Zukunft haben“, nannte Bouffier als Richtschnur. Sowohl der CDU-Kreisvorsitzende, der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak, sowie der Landtagsabgeordnete Michael Ruhl lobten den früheren Ministerpräsidenten für die Verlagerung von Behörden-Arbeitsplätzen wie beim Finanzamt in Lauterbach oder der Lehrerakademie in Alsfeld sowie den Neubau des Amtes für Bodenmanagement in Lauterbach. Bouffier nannte als wichtigen Punkt auch die medizinische Versorgung. Nicht nur in den Landarztpraxen, sondern auch in den Ballungsgebieten sei es immer schwieriger Nachfolger für Praxen zu finden.
Von großer Bedeutung seien auch die Krankenhäuser im ländlichen Raum. Bouffier warnte dabei davor, ein Krankenhaus im Kreis Groß-Gerau, das mit zahlreichen anderen Kliniken in einem Ballungsraum von zwei Millionen Einwohnern konkurriere, nach gleichen Maßstäben zu beurteilen wie eine Klinik in Alsfeld. Es sei gut, dass der Landtag bei den Haushaltsberatungen die Mittel für Investitionen in Krankenhäuser aufgestockt habe. Das müsse auch Alsfeld zugutekommen.
220 Millionen Euro stünden nun für Investitionen in Krankenhäuser des ländlichen Raumes in Hesen zur Verfügung, erläuterte Michael Ruhl. Er hoffe, dass hier auch ein Anteil nach Alsfeld fließe. Das Kreiskrankenhaus hier könne keine Klinik der Maximalversorgung sein, aber sei wichtig für die Grundversorgung. „Dies ist möglich durch eine Kooperation mit anderen Häusern – beispielsweise mit Lauterbach“, regte Ruhl eine Zusammenarbeit mit der Eichhof-Stiftung an.
Vize-Landrat Mischak bezifferte den Investitionsbedarf für das Alsfelder Krankenhaus auf 80 Millionen Euro. Nur wenige Tage zuvor hatte der Kreiskämmerer ebenfalls vor der Senioren-Union darauf hingewiesen, dass der Vogelsbergkreis in Zusammenarbeit mit den anderen Trägern sich auch um ein Hospiz im eigenen Landkreis kümmern müsse. Mischak wies zudem darauf hin, dass der Landkreis zunehmend bei der Unterbringung von Flüchtlingen gefordert sei. Dies sei nicht nur eine Frage des Geldes, es fehle derzeit einfach an Personal, das sich um die Hilfe suchenden Menschen und deren Unterbringung kümmern könnten.
Eine neue Stude belege einen Trend zur „Suburbanisierung“, also dem Umzug aus dem Ballungsraum zurück aufs Land. Die Sterbequote sei nach wie vor höher als die Geburtenrate, verwies Mischak auf die Statistik. In jüngster Vergangenheit seien aber deutlich mehr Menschen in den Vogelsberg gezogen als sich durch Wegzug abgemeldet hätten. Ob es auch daran liegt, dass die Lebenshaltungskosten für Senioren laut Statistik im Vogelsbergkreis deutlich niedriger sind als im Ballungsraum?
Ewald Hofmann, Kreisvorsitzender der CDU-Senioren im Vogelsberg, sicherte Landratskandidat Mischak und dem Landtagskandidaten Ruhl die Unterstützung der Seniorenunion im Wahlkampf des kommenden Jahres zu. Er erinnerte aber auch die aktuelle Kreistagsfraktion daran, den Meinungsaustausch mit der älteren Generation nicht zu vergessen.

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